Exhibition „Hnattferðir“ – Litla Gallerý Hafnarfjörður, Iceland, 2025
Exhibition text „Dana Engfer, Hnattferðir“
by Katharina Kiening
In an Icelandic antiquarian bookshop, Dana Engfer discovers a copy of Hnattferðir – a
treatise on interplanetary space travel written by Ary Sternfeld in the late 1950s. By
borrowing the title for her exhibition and at the same time enriching the book with her own
analogue photographs and Polaroids, the artist expands and overwrites the historical object with
personal experiences, layering and interweaving dimensions of time and space.
Engfer’s Hnattferðir is a careful uncovering of layers and an archiving of traces – a process of
collecting that resists quick answers and opens up a space for reflection, for questions about
what we see and how we see. It approaches historical materials and individual moments of
memory in tentative movements, breaking them apart into fragments, reassembling them, and
setting them in dialogue with one another.
In doing so, Engfer creates a narrative that makes the subjectivity of documentation processes
palpable. The result is a form in which past and present are poetically superimposed and coexist.
This poetic quality and the careful interweaving of different realities are profoundly shaped
by her connection to Iceland. The works on view reflect the artist’s explorations and
research during her two-month stay at the SÍM Residency in Reykjavík in 2024. Among them are
historical photographs taken by Icelandic photographers of the 19th and 20th centuries,
discovered in the archive of the Reykjavik Museum of Photography.
Onto these images, Engfer places abandoned snail shells, letting their growth layers become
spirals of memory, allowing them to enter into relation with the captured subjects. This
composition creates a different kind of testimony, a fabric that can no longer be reduced to its
individual parts and yet, carried by the transience inherent to us all, appears questioning, fleeting
and fragile.
With this, and with the exhibition itself, Dana Engfer presents an iridescent archive in which past
and present, documentation and memory permeate one another and shimmer in ever-changing facets.
—
Ausstellungstext „Dana Engfer, Hnattferðir“
von Katharina Kiening
In einem isländischen Antiquariat entdeckt Dana Engfer ein Exemplar von Hnattferðir – einer in den späten 1950er-Jahren verfasste Abhandlung über interplanetare Raumfahrt von Ary Sternfeld. Indem die Künstlerin den Titel für ihre Ausstellung entlehnt und das Buch zugleich mit eigenen analogen Fotografien und Polaroids versieht, erweitert und überschreibt sie das historische Objekt mit persönlichen Erfahrungen, überlagert Zeit- und Raumebenen.
Engfers Hnattferðir ist ein behutsames Freilegen von Schichten und Archivieren von Spuren, ein Sammeln, das sich schnellen Antworten entzieht und einen Raum für Reflexionen eröffnet, für Fragen danach, was wir sehen und wie wir sehen. Es nähert sich historischen Materialien und individuellen Erinnerungsmomenten in tastenden Bewegungen, bricht sie auf in Fragmente, fügt sie neu zusammen und lässt sie miteinander in einen Dialog treten. So schafft Engfer ein Narrativ, das die Subjektivität von Dokumentationsprozessen spürbar macht. Dies mündet in einer Form, in der Vergangenheit und Gegenwart in poetischen Schichten übereinander gelagert sind und gleichzeitig existieren.
Diese Poetik und das sorgfältige Verweben verschiedener Wirklichkeiten sind in besonderem Maße vom Bezug zu Island geprägt. Die gezeigten Objekte spiegeln die Erkundungen und Nachforschungen der Künstlerin während zahlreicher Aufenthalte seit 2024. So auch die historischen Aufnahmen isländischer Fotograf:innen des 19. und 20. Jahrhunderts, entdeckt im Archiv des Reykjavík Museum of Photography. Engfer platziert hierauf verlassene Schneckenhäuser, lässt deren Wachstumsschichten zu Erinnerungsspiralen werden, lässt sie in Beziehung zu den festgehaltenen Subjekten treten. Diese Komposition kreiert eine andere Art von Zeitzeugnis, ein Geflecht, das sich nicht mehr in seine Einzelteile zerlegen lässt und dennoch, getragen von einer uns allen innewohnenden Vergänglichkeit, fragend, flüchtig und fragil erscheint. Dana Engfer zeigt damit, und mit der Ausstellung an sich, ein irisierendes Archiv, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Dokumentation und Erinnerung gegenseitig durchdringen und in ständig wechselnden Facetten aufscheinen.